Um den aktuellen Stand der Nutzung Neuer Medien an der Universität Potsdam besser beschreiben zu können, führten Dr. Sabina Misoch und Prof. Dr. Thomas Köhler vom Fachgebiet Lehr-Lern-Forschung & Multimedia im Institut für Pädagogik eine aufschlussreiche Studie durch. Initiiert wurde sie vom Zentrum für Lehrerbildung (ZfL). Die beiden Wissenschaftler konzentrierten sich ausschließlich auf die Analyse der Nutzung Neuer Medien durch die an der Lehrerbildung der Universität Potsdam beteiligten Hochschullehrer.

Aber was sind eigentlich Neue Medien? Misoch und Köhler erklären das so: "Unter dem Begriff werden im Allgemeinen, aus informationstechnischer Sicht, alle Medien subsumiert, die auf Daten in digitaler Form zugreifen oder diese generieren." Im Lehr-Lern-Kontext handele es sich dabei zum Beispiel um Internetanwendungen und -dienste wie Mail oder die Recherche mittels Suchmaschinen. Dazu gehörten aber auch die digitale Ton- und Bildaufnahme und -bearbeitung oder -präsentation sowie Lernmanagementsysteme wie etwa BlackBoard mit verschiedenen Funktionen sowie Chats oder online-Foren.
Die Analyse der im Rahmen der Studie durchgeführten mündlichen Interviews zeigte, dass die Hochschullehrer die Neuen Medien in ihrer Lehre sehr unterschiedlich nutzen. "Das reicht von der fast Nicht-Nutzung bis hin zum Intensiveinsatz", schätzt Misoch ein. Einige Trends würden aber deutlich: So sei inzwischen die Nutzung von Mail und Internet weit verbreitet, wobei ersteres zur besseren und effizienteren Kommunikation mit den Studierenden und zweiteres für Recherchezwecke von nahezu allen Hochschullehrern eingesetzt würden. Auch das Präsentieren mittels Digitaltechnik (Powerpoint, DVD) ist in den meisten Fachdidaktiken bereits Alltag oder wird dies in naher Zukunft sein. Doch bei weiteren Einsatzmöglichkeiten Neuer Medien registrierten Misoch und Köhler starke Desiderate. So kämen Elemente des E-Learnings im engeren Sinne kaum zur Anwendung. Nur etwa die Hälfte der Befragten nutzen demnach Möglichkeiten der digitalen Teilnehmer- oder/und Skriptverwaltung. "Doch ist dies nur ein Element des E-Learnings, welches zwar administrative Erleichterung, aber nicht unbedingt didaktischen Mehrgewinn mit sich bringt", betont das Team. Zudem habe sich herausgestellt, dass Neue Medien bisher kaum zur Unterstützung individualisierter Lernprozesse oder für studentische Gruppenarbeit genutzt werden; Bereiche, in denen das Potential des E-Learnings erst richtig deutlich würde. Im Einzelnen ergab sich bei den aktuellen Einsatzbereichen Neuer Medien der für die Befragung in Frage kommenden 17 Hochschullehrer (von denen immerhin 12 für ein Interview zur Verfügung standen) folgendes Bild: Mail 100, Powerpoint 75, Skriptverwaltung circa 58, Teilnehmerverwaltung 50, Nutzung von DVD, MIDI 25, Lernprozesse 25 und die Nutzung von Online-Chats/Foren und Gruppenarbeit jeweils rund 8 Prozent.
Die Studie machte klar, was auch techniksoziologische und konstruktivistische Ansätze längst zeigen: Mediennutzungen müssen immer in ihren sozialen Kontexten interpretiert werden. Vor diesem Hintergrund offenbarte sich, dass auch bei den Hochschullehrern der Universität Potsdam Mediennutzungen und einstellungen weniger fachspezifisch oder didaktisch begründet als privat-biographisch motiviert sind. Vier unterschiedliche Mediennutzertypologien arbeiteten Misoch und Köhler heraus. Sie unterschieden Medien-/Techniksskeptiker, Technikscheue, Technikoptimisten und Technikpragmatiker. Da sich die Autoren mit ihrem Vorgehen auf die Herausarbeitung qualitativ verschiedenartiger Fälle konzentriert haben, ist diese Typologie nach ihrer Ansicht als durchaus repräsentativ für weitere an der Lehrerbildung beteiligte Hochschullehrer anzusehen. Ob dieser Befund auf andere Bereiche der Universität übertragbar ist, müsse allerdings erst noch geprüft werden.

Zukünftige Maßnahmen sollten an den individuellen Medieneinstellungen ansetzen und eine sachliche Aufklärung zu didaktischen Einsatzmöglichkeiten bieten, zeigen sich die Beiden überzeugt. "Denn erst wenn für die einzelnen Hochschullehrer ein didaktischer Mehrgewinn erkennbar ist und Hemmnisse des Medienzuganges und -einsatzes überwunden wurden, wird hier ein vermehrter Einsatz stattfinden können", betonen sie. Und sie unterstreichen, dass die Neuen Medien bei einem didaktisch sinnvollen Einsatz die Qualität der Hochschullehre verbessern können, "denn sie ermöglichen ein flexibleres Studieren, können die Selbststeuerung der Lernprozesse erhöhen, oft eine bessere Lehrdarbietung ermöglichen und eine effizientere Kommunikation zwischen Lernenden und Lehrenden schaffen".
Der vollständige Bericht findet sich im Internet auf den Seiten der AG eLearning unter: www.uni-potsdam.de/agelearning/index.html